Orchester

Orchestergeschichte

(c) Stadtarchiv

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich in Dortmund ein reges Musikleben entfaltet. Besonders der 1845 gegründete „Musikverein“ sollte die weitere musikalische Entwicklung Dortmunds entscheidend fördern. Denn dieser war bis 1880 zu einem Chor mit mehreren hundert aktiven Sängerinnen und Sängern herangewachsen und benötigte zu seinen Konzerten instrumentale Unterstützung durch ein Orchester. Die eigentliche Geburtstunde der heutigen Dortmunder Philharmoniker lies allerdings noch einige Jahre auf sich warten. Denn zunächst stand dem Musikverein noch die 1852 gegründete „Kapelle Giesenkirchen“ für die Konzertbegleitung zur Verfügung. Die Musiker der Kapelle verdienten sich ihren Lebensunterhalt allerdings in erster Linie mit dem Musizieren auf Tanzböden und den unterschiedlichsten Freiluft- und Saalveranstaltungen. Erst nach 1870 wurden auch gelegentlich erste Konzerte mit sinfonischer Musik geboten.

Hütnnersche Kapelle 1893/1894 (Stadtarchiv Dortmund)

In den 1880er Jahren kam es dann zu einschneidenden Veränderungen im Dortmunder Orchesterleben. Denn der Kapelle Giesenkirchen entstand Konkurrenz durch gleich zwei neu gegründete Orchester: 1880 wurde der „Orchesterverein“ und 1886 die „Merkertsche Kapelle“ gegründet. Der Orchesterverein begleitete bevorzugt den von Julius Janssen zu hohem Leistungsniveau gebrachten Musikvereins-Chor. Unter Janssens Leitung kam es in den folgenden Jahren zu zahlreichen Erstaufführungen, vor allem der großen oratorischen Neuheiten der Romantik, von Berlioz über Liszt bis zu Brahms. 

Georg Hüttner und die Geburtstunde im Jahr 1887

1887 läutete dann die offizielle Geburtstunde der heutigen Dortmunder Philharmoniker. Eine Fusion des Orchestervereins und der Kapelle von Franz Giesenkirchen, die nach dessen plötzlichen Tod ohne musikalischen Leiter dastand, ließ die Dortmunder Kapellen zu einem Ganzen werden. Das Vertragsverhältnis zum bisherigen Kapellmeister wurde gelöst, wie die „Dortmunder Zeitung am 15. September 1887 zu berichten wusste: Das Verhältnis zwischen dem Orchesterverein, der bekanntlich kürzlich einen Teil der Mitglieder der Kapelle des verstorbenen Arthur Giesenkirchen aufgenommen hat, und seinem seitherigen Kapellmeister Herrn Herrmann ist gelöst. Der freigewordene Posten des Leiters des vergrößerten Orchestervereins wurde in der „Dortmunder Zeitung“ ausgeschrieben.

Die Wahl des Vereinsvorstands fiel auf den erst 26jährigen Georg Hüttner aus Oberfranken – eine Entscheidung, die sich in den kommenden Jahrzehnten als Glücksfall für das Dortmunder Musikleben erweisen sollte. Die „Dortmunder Zeitung“ meldete am 5. Oktober 1887: [Der Orchesterverein] hat in der Person des Herrn Musikdirektors Georg Hüttner aus Berlin einen neuen Dirigenten erhalten. Derselbe wird sich morgen (Donnerstag) abend in einem im Kühnschen Saale stattfindenden Antrittskonzerte dem Publikum vorstellen.“

Georg Hüttner wurde am 10. Februar 1861 im kleinen oberfränkischen Marktflecken Schwarzenbach als Sohn eines Kürschners geboren. Zwar wurde seine musikalische Begabung früh erkannt und durch Violin- und Lautenunterricht gefördert, doch den Entschluss professioneller Orchestermusiker oder gar Leiter eines Orchesters zu werden, fällte Hüttner erst als 16-jähriger. Hüttner wurde in das oberfränkische Orchester Schaarschmidt aufgenommen, wo er in drei Lehrjahren die nötige Orchesterroutine erwerben konnte. In den folgenden Wanderjahren verschlug es Hüttner nach Schlesien, Oldenburg und zahlreiche weitere Städte, wo er zunächst als Musiker, später auch als Dirigent Anstellung fand. Nebenbei arbeitete er zielstrebig an seiner Ausbildung, nicht nur in praktischer, sondern auch theoretischer Hinsicht. Seinem Traumziel kam er entscheidend näher, als ihn die Direktion des kleinen sächsischen Badeortes Hohenstein-Ernstthal 1884 zum Leiter der Kurkapelle wählte. Doch schon nach zwei Jahren zog es Hüttner weiter, zunächst wieder als Orchestermusiker nach Liebau und Berlin. Die Nachricht, dass er für den Dirigentenposten des Dortmunder Orchesters ausgewählt worden war, erhielt Hüttner als er gerade die feste Stellung im Orchester des Königlichen Opernhauses in der Reichshauptstadt angetreten hatte. Sein Umzug ins Ruhrgebiet bedeutete das Ende seiner Wanderjahre und auch für das Dortmunder Musikleben den Beginn einer neuen Epoche.

Hüttners Konzerteinstand am 6. Oktober 1887

Seinen Konzerteinstand gab Hüttner am 6. Oktober 1887, dem offiziellen Geburtstag der modernen Dortmunder Orchesterkultur. Das Programm – heute wahrscheinlich eher im Nachmittagsprogramm eines Kurorchesters zu finden – war ein damals typischer Kompromiss zwischen gehobener Unterhaltung und anspruchsvollerer sinfonischer Virtuosität der Spätromantik: Neben Giuseppe Verdi, Franz Schubert und Franz Liszt wurden auch Ouvertüren von Vincent Wallace, Ambroise Thomas und Ludwik Grossman dargeboten.

In der „Dortmunder Zeitung“ war am folgenden Tage in der Abendausgabe zu lesen: "Zwei Konzerte fanden gestern statt, das eine im ‚Kölnischen Hofe’, von Herrn Merkert und seiner Kapelle gegeben, das andere im Kühnschen Saale vom Orchesterverein, welcher bei dieser Gelegenheit seinen neuen Dirigenten Herrn G. Hüttner vorstellte. Was das letzte Konzert anlangt, so war es ziemlich gut besucht, die Vorträge der Kapelle erhielten reichlich Beifall, der neue Kapellmeister erwies sich als eine tüchtige, vielversprechende Kraft und versteht trefflich die richtigen Schattierungen in Licht und Schatten zu verteilen. An Solovorträgen hörten wir eine Phantasie für Flöte von Herrn Müller und eine desgleichen für Trompete von Herrn Fleischer, außerdem zwei Schubertsche Lieder im Streichquartett."

Dieses für die Zeit typische Konzertprogramm diente gleichzeitig der effektvollen Vorstellung des solistischen Könnens einiger besonders qualifizierter Orchestermitglieder. Auch wenn die damalige Kritik eher nüchtern ausfiel, kam Hüttners Konzerteinstand beim Publikum gut an. Eine Woche später war über sein zweites Konzert zu lesen: "Das vorgestrige zweite Konzert des Dortmunder Orchestervereins unter Leitung des neuen Dirigenten, Herrn Musikdirektor Hüttner, hatte sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen. Das Programm war ein gut gewähltes und wurde unter der exakten Leitung vortrefflich ausgeführt. Besonderen Beifall fanden das Lied für Trompete ‚O schöne Zeit, o selge Zeit’ von Götze, vorgetragen von Herrn Direktor Hüttner, sowie die Phantasie für Violine ‚Trovator’ von Alard, ausgeführt von Herrn Konzertmeister Schwibbe. Auch die anderen Nummern, wie ‚Ave verum’, Mandolinen-Polka, und zum Schluß ‚Czardas’ aus ‚Der Geist der Woywoden’ von Großmann kamen ausgezeichnet zum Vortrag."

Professionalisierung der Dortmunder Orchesterkultur

Hüttners Einstandskonzerte legten den Grundstein einer langwierigen, aber erfolgreichen Aufbauarbeit. Denn Hüttner schaffte es, das Orchester in den folgenden Jahren sowohl quantitativ als auch qualitativ zu einem ernst zu nehmenden Orchesterapparat zu formen. Georg Hüttner verfolgte von Anbeginn seiner Dortmunder Tätigkeit beharrlich zwei Ziele: die Hebung des künstlerischen Niveaus seiner Konzerte und Kontinuität der öffentlichen Veranstaltungen. Beides setzte voraus, dass er einen festen Stamm qualifizierter Musiker für sein Ensemble gewann und ein allzu häufiger Wechsel in der Besetzung der Instrumentengruppen vermieden wurde, wie er bislang bei den dominierenden Gelegenheitsmusikern üblich war. Nur langsam schritt die Aufbauarbeit in den ersten Jahren voran, wobei Hüttner sich nie geschlagen gab. Die Konkurrenz war besonders in diesen ersten Jahren groß und Aufführungsstätten äußerst rar. Zusätzlich war Hüttner gezwungen, aus Kostengründen vorwiegend in weniger repräsentativen Sälen zu konzertieren. Mehrere Jahre musste das Orchester im Ziegler’schen Saale in Dorstfeld, in der städtischen Peripherie, konzertieren. Zwar wurden auch vermehrt der Kühnsche Saal und der Kölnische Hof für Konzerte genutzt, doch optimale Lösungen waren dies nicht. 1888 wurde dann der Fredenbaumsaal fertig gestellt. Leider war dieser für das Dortmunder Orchester – noch – zu groß und stand in erster Linie für die aufwendigen Chorkonzerte und Sängerfeste zur Verfügung. Erst später konnte Hüttner ihn für seine „Volkskonzerte“ nutzen. Insgesamt war die Finanzierung der Konzerte damals eine schwierige Angelegenheit, denn die Eigenveranstaltungen mussten fast ausschließlich durch die Kasseneinnahmen gedeckt werden, denn Orchester und Dirigent spielten wie damals üblich „auf Teilung“. Zuwendungen privater Sponsoren oder städtische Zuschüsse blieben in den ersten Jahren der Orchestergeschichte äußerst rar, ja fast undenkbar.

Neue Konzertstätten

Erst in den 1890er Jahren waren Fortschritte zu erkennen: der 1892 erbaute Kronenburgsaal ermöglichte die Einrichtung regelmäßiger wöchentlicher Sinfoniekonzerte an einem festen Ort. Der damalige Oberbürgermeister Schmieding, Kommerzienrat und Brauereibesitzer Wenker und andere private Mäzene unterstützten dieses gewagte Vorhaben. Dirigent und Orchester sollten hiermit eine gesicherte Heimstätte und gleichzeitig Stützpunkt für die Verwirklichung ihrer künstlerischen Absichten erhalten. Es war in der Tat ein Sprung ins Dunkle, denn die Verkehrsanbindung an die Kronenburg war noch recht primitiv und das Dortmunder Publikum war ein derart straffes Programm von regelmäßigen Konzerten ernster, klassischer Musik nicht gewöhnt, auch wenn Hüttner mit seinem Orchesterverein schon früher vereinzelt Sinfoniekonzerte gegeben hatte. Erwähnenswert ist beispielsweise das erste dieser Konzerte am 8. März 1888 im Kühnschen Saale, wobei u.a. die Festouvertüre „Friedensfeier“ von Reinecke und die F-dur-Sinfonie von Goetz gespielt wurden. Befürchtungen eines ausbleibenden Publikums erübrigten sich jedoch schnell: Die sinfonischen Freitagskonzerte stießen bald über die Grenzen Dortmunds hinaus auf reges Interesse. Dies war nicht zuletzt der Presse zu verdanken, die Hüttner unterstützend zur Seite stand. In der „Dortmunder Zeitung“ hieß es zwei Tage nach dem ersten Freitags-Konzert am 9. Oktober 1892: "Gestern abend hat im neuen Prachtsaale der Kronenburg das erste Symphoniekonzert des Orchestervereins unter Herrn Kapellmeister Hüttners Leitung stattgefunden. [...] Möchte der Abend dem verdienten Kapellmeister, der stets bereit ist, hülfreich mit seiner Kapelle einzutreten, wo es gilt, einen edlen Zweck zu fördern, von guter Vorbedeutung  für sein diesjähriges neues Unternehmen, die Freitags-Symphoniekonzerte, sein! Der Anfang war jedenfalls erfreulich und glänzend..."

Musikpädagogische Programme

Doch der Hauptverdienst muss Hüttner selbst zugewiesen werden, denn Dank seiner guten Menschenkenntnis und seines klugen Geschäftssinns gelang es ihm, das Dortmunder Publikum an sich zu binden. Mit dem Bewusstsein, dass dieses nicht mit streng klassischen Programmen zu erreichen sei, begann Hüttner mit Programmen, die in der Regel nur im ersten Teil anspruchsvollere Musik, beispielsweise eine Sinfonie, sinfonische Dichtung oder eine Suite im Mittelpunkt, boten. Im zweiten Teil wurden hingegen, ganz im Geschmack des Großteils der Besucher, eher leichte und gefällige Musikstücke gespielt. Auf diese Weise konnte Hüttner sein Publikum mehr und mehr für die Sinfoniekonzerte interessieren und diese zur festen Einrichtung des Dortmunder Konzertwesens machen. Im ersten Sinfoniekonzert erschien u.a. neben der Tell-Ouvertüre von Rossini, einem Ave verum von Cherubini, einem Andante von Tschaikowsky und Fragmenten aus Wagners „Rheingold“ als Hauptprogrammnummer die Jupiter-Sinfonie von Mozart. In den folgenden elf Konzerten wurden noch acht weitere Sinfonien programmiert, einige in Wiederholung: Haydn – Es-dur, Mozart – Es-dur und G-moll, Beethoven – D-dur und F-dur, Schubert – H-moll, Goldmark – „Ländliche Hochzeit“ und Ulrich – Symphonie triomphale. Schon am 20. Januar 1893 fand dieser erste Zyklus von Sinfoniekonzerten seinen Abschluss. Allerdings veranlasste der gute Besuch Hüttner, sechs weitere Konzerte in dieser Wintersaison zu geben, in denen u.a. die G-dur-Sinfonie von Haydn, die C-dur- und die Pastoral-Sinfonie von Beethoven und die F-dur-Sinfonie von H. Goetz auf dem Programm standen.

Die Freitagssinfoniekonzerte waren derart erfolgreich, dass sie zwei Jahrzehnte lang ununterbrochen in der Kronenburg blieben. Neben der Bildung eines musikalischen Stilgefühls und der Veredelung des Geschmacks wurde vor allem ein neuer Publikumskreis erschlossen. Eine vergleichbare Konzertveranstaltung, die eine Bürgerschaft aus allen Kreisen ansprach, gab es Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Dortmund und Umgebung nicht. Nachdem Hüttner sein Publikum behutsam aber zielstrebig an die ernstere und gehaltvollere Musik herangeführt und ein gesteigertes Interesse und Verständnis hierfür erzielt hatte, wurde auch der zweite Teil der Programme auf ein höheres, künstlerisch vornehmeres Niveau gehoben. Damit stieß Hüttner zwar nicht immer auf Zuspruch, doch blieb er seinen Standpunkten stets treu. Konsequent verdrängte er langsam den Unterhaltungscharakter der Sinfoniekonzerte ohne die ungewohnten Programmteile in den Vordergrund zu drängen. Meist stellte Hüttner einen der großen Meister in den Mittelpunkt: Bach-, Händel-, Haydn-, Mozart-, Schubert-, Mendelssohn-, Robert Schumann-, Richard Wagner- und Richard Strauß-Abende ließen sich in fast jeder Konzertsaison wiederfinden. Alle diese Bestrebungen zur künstlerisch würdigen Ausgestaltung der Programme gipfelten in einem Beethoven-, später einem Beethoven-Brahms-Zyklus, in denen neben den Sinfonien beider Meister viele ihrer bedeutendsten Instrumentalwerke zur Aufführung gelangten. Die Beethoven-Konzerte waren schon damals Selbstläufer, zu denen das Publikum förmlich strömte. Aber auch Brahms fand von Jahr zu Jahr eine wachsende Gemeinde überzeugter und begeisterter Anhänger. Neben den deutschen Meistern, die in den Programmen der Sinfoniekonzerte am zahlreichsten vertreten waren, wurden aber auch ausländische Komponisten berücksichtigt: Tschaikowsky, Glazounow, Smetana, Dvorák, Saint-Saëns und Debussy fanden allesamt Beachtung.

Dortmunder Erstaufführungen

Ganz besondere Erwähnung muss den Dortmunder Erstaufführungen gewidmet werden, die Anfang des Jahrhunderts vom Dortmunder Orchester gegeben wurden. Allein in der Saison 1911/12 brachten die Sinfoniekonzerte über 20 größere, in Dortmund erstmalig gespielte Werke, die fast alle zur damals zeitgenössischen Musik zu zählen sind: Augustin Savard, Ouvertüre „Pour le roi Lear“; Friedrich Gernsheim, Divertimento für Flöte und Streichorchester; Leander Schlegel, Sinfonie in H-dur; Gerard Bunk, Ouvertüre zu einem Trauerspiel; Sergei Rachmaninow, Sinfonie in E-moll; Richard Strauß, B-dur-Suite für 13 Blasinstrumente; Richard Wetz, Kleist-Ouvertüre; Johan Svendsen, Legende „Zorahayda“; Karl Bleyle, Gnomentanz; Joseph Haydn, Violinkonzert in C-dur; Cyrill Kistler, Vorspiel zum IV. Akt der Oper „Faust“; Philipp Scharwenka, Arkadische Suite; Georg Friedrich Händel, Concerto grosso Nr. 17 (bearbeitet von Max Seiffert); Erich Wolf Degner, Sinfonie in A-dur; Hugo Alfvén, Schwedische Rhapsodie „Midsommervaka“; Georg Schumann, Ouvertüre „Liebesfrühling“; Peter Tschaikowsky, Polonaise a. „Eugen Onegin“; Henri Marteau, Suite für Violine und Orchester (A-dur); Gustav Cords, Sinfonisches Fragment „Gudrun“; Max Meyer-Olbersleben, Sonnenhymnus; Willibald Kaehler, Ouvertüre „Prinz Friedrich von Homburg“; Ph. Rüfer, Sinfonie in F-dur; Hugo Kaun, Am Rhein.

Verjüngung des Orchesters

Im Jahr 1893 setzte Hüttner grundliegende Veränderungen in der Orchesterzusammensetzung an: Das mittlerweile 35 Musiker fassende Orchester sollte sich einer „Verjüngungskur“ unterziehen. Seinen langgehegten Wunsch eines vollständigen Orchesters mit doppelten Holzbläsern, entsprechender Besetzung der Blechinstrumente und großem Streichquartett hatte Hüttner schon in den ersten Jahren des Orchesters erfüllen können. Zusätzlich wurden nun die Verträge der älteren Mitglieder gelöst und der „Orchesterverein“ zur „Hüttner’schen Kapelle“ umbenannt. Aufgrund der schlechten Besoldungs- und Beschäftigungsverhältnisse, kehrten junge, unerfahrene Musiker Dortmund oft den Rücken zu, sobald sie die erforderliche Orchesterroutine erreicht hatten und anderswo bessere Stellungen annehmen konnten.  Um diesem Trend entgegen zu steuern, bot Hüttner begabten Musikern stets die Möglichkeit, solistisch tätig zu werden und bemühte sich unermüdlich, den Musikern ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. So fasste er 1896 den Entschluss, sich zusätzlich der sommerlichen Kurmusik in Bad Kreuznach anzunehmen. Der mehrwöchige Aufenthalt des Dortmunder Orchesters in dem kleinen Kurort wurde zu einem großen Erfolg und fand besonders unter den vielen internationalen Badegästen großes Ansehen. Hüttner erhielt zahlreiche Auszeichnungen und auch das Orchester wurde bei seiner Rückkehr nach Dortmund mit einem neuen Namen ausgezeichnet: Seit Herbst 1896 durfte sich die damalige „Hüttner’sche Kapelle“ „Philharmonisches Orchester“ nennen. Ohne Zweifel ist es Georg Hüttner zu verdanken, dass ungeachtet der ständigen finanziellen Sorgen ein mittlerweile 125 Jahre altes Qualitätsorchester in Dortmund entstanden war.

 

(Text von Jennifer Woda, aus: Heimat Dortmund, Stadtgeschichte in Bildern und Berichten - 125 Jahre Dortmunder Philharmoniker)