Hans Wallat - GMD 1980-1985 und 2001-2002

Der Berliner Hans Wallat wurde 1929 geboren und erhielt seine künstlerische Ausbildung und erste Anstellung in Schwerin. Über Stendal, Meiningen und Cottbus kam er 1958 als erster Kapellmeister des Gewandhausorchesters nach Leipzig, wenig später auch nach Berlin. 1961 zog es ihn in den Westen, wo er in Stuttgart, Bremen und Mannheim als Kapellmeister und Generalmusikdirektor große Erfolge feiern konnte, bevor er 1980 nach Dortmund kam.

© Theater Dortmund, Michael Dannenmann

Zuvor hatte sich Wallat bereits als „Wagner-Spezialist“ etabliert und dirigierte in allen großen Häusern der Welt, wie der Met in New York, dem Bolschoi-Theater in Moskau, dem Teatro Colon in Buenos Aires, der Wiener Staatsoper und den Bayreuther Festspielen.

Insgesamt hat er über 90 Ring-Zyklen dirigiert und gilt als einer der kenntnisreichsten Interpreten der Tetralogie. Zu Wallats 75. Geburtstag veranstaltete das neu erbaute Konzerthaus Dortmund unter der Regie seines Gründungsintendanten Ulrich Andreas Vogt in den Jahren 2003 und 2004 einen vielbeachteten „Wallat-Ring“, eine halbszenische Aufführung des Ring des Nibelungen mit internationaler Solistenbesetzung und den Philharmonikern. Für seine Verdienste als Kapellmeister wurde Hans Wallat mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2010 mit dem Musikpreis in Dortmund ausgezeichnet.

Als Hans Wallat 1980 das Amt des Dortmunder Generalmusikdirektors antrat, war er dem Philharmonischen Orchester und auch dem Opernensemble fast schon ein „alter Bekannter“. Denn er hatte nicht nur nach dem Weggang von Marek Janowski maßgeblich geholfen, die Spielzeit 1979/80 als Konzert- und Operndirigent zu überbrücken. Schon in den Jahren zuvor war er bereits etliche Male in Dortmund zu Gast gewesen.

In den Konzertprogrammen bot Hans Wallat in den folgenden fünf Jahren mit seinem Orchester dem etwa 4000-köpfigen Stammpublikum ein gleichsam unauffälliger Schwerpunkt auf der Vermittlung der klassischen Moderne, wie zum Beispiel sinfonische Werke von Gustav Mahler, Anton Webern, Paul Hindemith und Sergej Prokofjew. In den Spielzeit 1981/82 wurden zusätzlich Werke von Aaron Copland, Karol Szymanowski und – als „härtesten Brocken“ für die Hörer – Arnold Schönbergs Orchestervariationen op. 31 dem Publikum vorgestellt. Die Pflege der klassisch-romantischen Literatur stand allerdings nach wie vor im Vordergrund des Programms. Bis zu seinem Vertragsende blieb diese „erfolgreiche Mischung von Bewährtem, weniger Vertrautem und gelegentlichem Einstreuen aktueller Musik“ die Leitlinie der philharmonischen Programme Hans Wallats.

Sein persönlicher Schwerpunkt lag allerdings in der Oper. Im Zusammengehen mit Generalintendant Paul Hager wurde die Pflege der großen Wagner- und Richard-Strauss-Opern ein bleibendes Markenzeichen des Dortmunder Musiktheaters, dessen musikalische Säule – wie in allen heimischen und auswärtigen Premierenkritiken bestätigt – stets das Orchester blieb. 1984 beschloss Wallat, sehr zum Bedauern des Publikums, seinen Vertrag in Dortmund nicht zu verlängern und wechselte 1985 als „Staatskapellmeister“ an die Hamburgische Staatsoper. Für die Spielzeit 2001/2002 konnte Hans Wallat abermals als Dortmunder GMD gewonnen werden, nachdem Anton Marik 2000 frühzeitig Dortmund verlassen hatte. Zum Dank dafür und in Würdigung der außergewöhnlich guten und künstlerisch produktiven Zusammenarbeit ernannte das Orchester den Opernfachmann Wallat zu seinem Ehrendirigenten.

(Text von Thomas Rink und Jennifer Woda, aus: Heimat Dortmund, Stadtgeschichte in Bildern und Berichten - 125 Jahre Dortmunder Philharmoniker)